Yad Vashem
23.09.2014
Wir waren etwas unschlüssig, ob wir denn die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem besuchen sollten. War es nicht ein Pflichtprogramm für uns Deutsche, gab es nicht noch andere Dinge in Jerusalem zu sehen, die vielleicht ebenso oder noch mehr einen Besuch wert wären? Immerhin sind wir ja vom Thema 3. Reich und Judenvernichtung fast schon übersättigt und es war unser letzter ganzer Tag in Jerusalem. Letztlich haben wir uns dennoch für einen Besuch von Yad Vashem entschieden, so aus einer Mischung von Pflichtbewusstsein heraus und tatsächlichem Interesse daran, wie denn der Staat Israel mit der Erinnerung an den Holocaust umgeht.
Die Gedenkstätte ist von der Altstadt sehr leicht zu erreichen. Einfach am Damaskus-Tor in die Straßenbahn einsteigen (es gibt in Jerusalem nur eine Linie) und bis zur Endstation Mount Herzl fahren. Von da sind es noch etwa 10 Minuten zu Fuß, der Weg ist ausgeschildert.
Yad Vashem besteht für Besucher im wesentlichen aus dem „Museum der Geschichte des Holocaust“, es ist jedoch auch ein wissenschaftliches Forschungs- und Dokumentationszentrum. Bei dem Museum handelt es sich um einem langgezogenem dreieckigen Betonbau, in dem in komprimierter Form die Geschichte der Judenverfolgung im Nationalsozialismus an verschiedenen Stationen (sie werden vom Museum als Galerien bezeichnet) abgehandelt wird. Am Ende gibt es dann noch Stationen zur Situation der Juden direkt nach dem zweiten Weltkrieg, der Gründung des Staates Israel und dem Eichmann-Prozess. Auch „Schindlers Liste“ ist im Original zu sehen. Das Museum endet mit einer Halle der Namen, in der die Namen von über drei Millionen getöteten Juden in Form von Gedenkblättern aufbewahrt werden.
Am Ausgang des Museumsbaus öffnet sich ein schöner Ausblick auf einen Teil von Jerusalem.
Wir hatten uns für je 20 Shekel (ca. vier Euro) einen Audioguide geleistet (der Eintritt ist ansonsten frei), das Geld war gut angelegt. Im Innern durfte nicht fotografiert werden, weshalb Ihr Euch bei Interesse Bilder auf der Homepage von Yad Vashem anschauen müsst. Taschen dürfen übrigends in das Museum nicht mitgenommen werden, deshalb empfehlen wir etwas langärmeliges zum Anziehen mitzunehmen, da die Räume stark klimatisiert sind.
Letztlich haben wir mehrere Stunden im Museum verbracht und trotzdem war der gesamte Besuch sehr kurzweilig, weil sehr interessant. Die Museumsgestalter haben versucht, die jeweiligen Imformationen immer mit Schicksalen von einzelnen Menschen zu verknüpfen, was aus unserer Sicht wirklich gut gelungen ist.
Wir können (als geschichtlich interessierte Menschen) abschließend jedem guten Gewissens empfehlen, Yad Vashem zu besuchen. Allerdings muss ausreichend Zeit mitgebracht werden. An keiner Stelle fühlten wir uns übrigens als Deutsche persönlich von der Ausstellung angegriffen. Es wurden die Fakten dargestellt und nie die Deutschen als Volk und Nation abgewertet.
Am Ende des Besuchs solltet Ihr Euch auf keinen Fall den Besuch der Kindergedenkstätte entgehen lassen! Die unterirdische Höhle ist nahezu dunkel und es sieht so aus, als ob tausende Lichter brennen. Fortwährend werden mit ruhiger eindringlicher Stimme Namen ermordeter Kinder vorgelesen.
Nachdem es morgen weiter nach Haifa geht und wir dort den Rest unseres Urlaubs (natürlich mit interessanten Ausflügen!) verbringen werden, haben wir zum Ausklang des Tages noch kurz in der Altstadt vorbeigeschaut, um schon mal „Good Bye, Jerusalem“ zu sagen…

„…haben wir zum Ausklang des Tages noch kurz in der Altstadt vorbeigeschaut, um schon mal “Good Bye, Jerusalem” zu sagen…“
Und um meine Schüssel zu kaufen!?!? Vielen lieben Dank *freu*