Gastfreundschaft…

20.09.2014

Bereits zu Beginn der Reise hatten wir die Absicht, nicht nur Israel zu besuchen, sondern auch einen Abstecher ins Westjordanland zu machen. Insbesondere für einen  Besuch der Stadt Hebron, welche zu den eher explosiven Orten in der Auseinandersetzung zwischen Palästinensern  und vor allem ultraorthodoxen Juden und renitenten Siedlern zählt, empfahl unser Reiseführer, sich über die aktuelle Situation zu erkundigen. Sollten Auseinandersetzungen zu  befürchten sein, solle man lieber nicht fahren. Im Alltag konnten wir keine übermäßige Anspannung erkennen, waren uns aber auch im Klaren, wenn es eine Verschlechterung geben würde, wir es wohl als letztes mitbekommen würden. Also noch schnell die Internetnachrichten zur gegenwärtigen Situation in Israel anschauen und los gings…

Mit dem palästinensischen Bus 21 fuhren wir vom Busbahnhof rechts vom Damaskustor los zu unserem ersten Ziel: Bethlehem. Ein Teil unserer Strecke führte direkt am sogenannten antipalästinensischen Schutzwall vorbei, der gerade uns als Deutsche so bekannt vorkommt. Die Einreise nach Palästina funktionierte problemlos, keine Kontrolle, alles ziemlich unspektakulär. Die Westbank selbst ist in drei Zonen unterteilt, A, B und C. Die Zone A (ca. 11%) untersteht der alleinigen palästinensischen Kontrolle, Zone B (ca. 25%) wird gemeinsam von Israelis und Palästinenser kontrolliert, Zone C mit den restlichen 73% untersteht ausschließlich der israelischen Militärverwaltung. Schilder vor der Zone A weisen daraufhin, dass kein Israeli dieses Gebiet betreten darf.

In Bethlehem angekommen wurden die offensichtlichen Touristen gleich von ein paar Taxifahrern bestürmt, die eine preisgünstige Fahrt zu der ca. ein Kilometer entfernten Geburtskirche anboten. Zunächst ablehnend, schließlich etwas unschlüssig weil wir den Weg zur Geburtskirche nicht kannten und dann bei dem Angebot von 10 Schekel schwach werden, stiegen wir dann doch bei einem jungen Palästinenser ins Taxi ein.

„Adam“ und Kristine

Dieser ließ uns zunächst bei einem schönen Ausblick über das Land und mit Blick auf das Herodium, einem Palast von Herodes dem Großen aussteigen und unterbreitete uns dann das Angebot, uns für 220 Schekel (das sind ca. 46 €) herumzufahren und uns die wesentlichen Sehenswürdigkeiten von Bethlehem  und Hebron zu zeigen. Schließlich handelten wir auf 180 Schekel herunter und nahmen das Angebot an, nachdem uns klar war, auf eigene Faust und mit öffentlichen Verkehrsmitteln dieses Pensum keinesfalls zu schaffen. Außerdem erinnerte der Taxifahrer Kristine an Adam Sandler. 🙂

Wie sich im weiteren Verlauf zeigte, hatten wir eine gute Entscheidung getroffen.

Zunächst zeigte uns „Adam“ die Stelle, an der der Engel die Geburt Jesu verkündet hatte. Dabei handelt es sich um eine Mauer, wobei wir im Nachhinein uns nicht mehr genau erinnern können, ob es jetzt eine Tankstellen- oder Parktplatzmauer war, auf die ein Engel gepinselt worden war. Dann gings weiter zum Platz der Hirten, die der Stern auf die Geburt aufmerksam gemacht hatte. Eine kleine englischsprachige Reisegruppe hielt dort gerade einen Gottesdienst ab.

Etwas außerhalb von Bethlehem befindet sich das Herodium, das unser Fahrer als nächstes anfuhr. Wie Ihr an den Bildern seht, kann die gesamte Anlage noch gut erkannt werden. Während wir das Herodium besichtigen, fand unser Fahrer die Zeit, gen Mekka sein Gebet zu verrichten. Von dem Hügel, auf dem das Herodium erbaut worden war, hatten wir einen prima Rundumblick. Insgesamt ist Palästina sehr hügelig und natürlich steinig. Neben Bethlehem und anderen Städten und Orten konnten wir in der Ferne auch das Tote Meer und dahinter Jordanien erkennen.

Nach der ausführlichen Besichtigung (Kristine sieht sich gerne und ausgiebig alte Ausgrabungen und Ruinen an) fuhren wir nach Hebron, teilweise vorbei an eingezäunten oder von Mauern geschützten Siedlungen jüdischer Siedler. Die Stadt war immer mal wieder wegen der Auseinandersetzungen zwischen Juden und den Palästinensern in den Schlagzeilen.

Auf dem Weg in die Innenstadt machte uns unser Fahrer auf eine Metzgerei aufmerksam, die ein geschlachtetes Kamel auf einem Haken hängen hatte. Kamelfleisch soll gut für die Potenz sein – so „Adam“.

In der Stadtmitte dann ein einziger Verkehrsstau. Unser Fahrer führte dies auf den Wochentag Samstag zurück, nachdem bei den Palästinensern der Freitag der wöchentliche Feiertag ist. Schließlich hatten wir uns bis zur Altstadt durchgekämpft und von dort ging es zu Fuß bis zur Höhle der Patriarchen.

Nachdem das Grab Abrahams sowohl der jüdischen als auch der moslemischen Religion heilig ist, haben beide Bevölkerungsgruppen von ihrer jeweiligen Seite einen eigenen Zugang und einen eigenen Blick auf die Grabstätte.

Wachturm

Wachturm

In unmittelbarer Nähe liegt der Stadtteil, den vornehmlich die jüdischen Siedler bewohnen. Kameras, Stacheldrahtzaun und Militär zeigen die Grenze an.

Auf dem Rückweg nach Bethlehem fragte Adam, ob wir seine schwangere Frau mitnehmen könnten, da sich diese in Hebron bei ihrer Familie aufhalte. Klar kein Problem für uns. Schwubs befanden wir uns in einem palästinensischen Wohnzimmer bekamen Obst gereicht und schlurften Ingwertee während wir von der halbe Schwiegerfamilie Adams umringt wurden. OK wir müssen gestehen, dass wir lange Zeit die Befürchtung hatten, dass es sich um eine Verkaufsveranstaltung handelt, da Adam uns zuvor berichtet hatte, dass seine Frau Schuhe nach der neusten Mode aus Italien, Amerika usw. herstellt. Im Nachhinein müssen wir beschämend zugeben, dass uns eine derartige Gastfreundschaft fremd ist. Für Adam und seine Schwiegerfamilie war es selbstverständlich uns in ihr Haus einzuladen. Mit zwei Granatäpfeln unter dem Arm und der schwangeren Frau von Adam konnte die Reise weitergehen.

 Zurück in Bethlehem fehlte jetzt noch die Geburtskirche, die wir dann auch sofort ansteuerten. Im Innern herrscht teilweise noch eine Baustelle, da offenbar noch das Dach saniert wird. Die Geburtsstätte Jesu lag wiederum unter einem Altar, der unmittelbar zugänglich und problemlos zu fotografieren war. Ein bisschen peinlich, ja fast schon blasphemisch empfanden wir einen holländischen Vater, der seine Kinder auf der Geburtsstelle herumkrabbeln ließ und wiederholt Fotos davon schoß.

Keine zweihundert Meter von der Geburtskirche entfernt liegt die Milchgrotte. Hier soll die Heilige Familie vor der Flucht aus Ägypten unterschlupf gefunden und  Maria einen tropfen Muttermilch auf die Erde fallen gelassen haben. Pilgerinnen beten hier für Fruchtbarkeit. Also rein, aber nicht weshalb ihr denkt! Aber Versprechen müssen gehalten werden.

So unsere Tagesreise neigte sich dem Ende. Zuvor noch eine Besichtigung einer kleine Holzmanufaktur, in der der Papagei „Jacko“ lebt und in der Devotionalien hergestellt werden. Nach insgesamt 6 1/2 Stunden haben wir uns herzlich von „Adam“ verabschiedet. Der Tag war so interessant und schön, dass wir ihm letztlich gerne ein dickes Trinkgeld gegeben haben, was uns immer noch um einiges billiger gekommen ist, als wenn wir eine Tour gebucht hätten.

Fazit: Nicht immer ist Misstrauen angebracht, Pfade beim Reisen verlassen, um ungewöhnliche Momente zu erleben.

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